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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Berlin

05.10.2007
Bauen ohne Eigenkapital – kein Problem?

Kreditvermittler und Banken werben mit großzügiger Vergabe von Hypotheken­darlehen für den Bau oder Kauf einer selbstgenutzten Immobilie. Wohin das führen kann, hat die Krise am US-Immobilienmarkt gezeigt.

Auch hierzulande ist der Traum vom Eigenheim weit verbreitet. Viele Mieter fragen sich, warum sie nicht einfach anstelle von Mietzahlungen Ratenzahlungen leisten können, um auf diese Weise schließlich glückliche Eigenheimbesitzer zu werden. Mit diesem Argument werden Baufinanzierungsverträge immer häufiger Interessenten regelrecht aufgedrängt, bei denen vorauszusehen ist, dass sie die Zins- und Tilgungslasten langfristig nicht tragen können.

Ein nicht untypischer Fall:
Eine Vermittlungsgesellschaft bot einem Ehepaar ein Musterhaus an, das es gegen monat­liche Ratenzahlung in Höhe von 560 Euro kaufen konnte. Der Bauwerkvertrag müsse schnell abgeschlossen werden, denn die Nachfrage nach diesem Haus sei groß, drängte der Firmenberater. Die Bitte, den Vertrag in Ruhe zu Hause durchlesen zu können, schlug er ab. Falls das Geld nicht reiche, könne problemlos eine Nachfinanzierung gewährt werden. Die Firma überwies den Bauherren 8.000 Euro, damit sie der Bank Eigenkapital nachweisen konnten, so dass eine Kreditaufnahme möglich wurde. Das Geld sollte zwei Wochen später zurückgezahlt werden. Dem Ehepaar wurde ein fürsorglicher Finanzbetreuer an die Seite gestellt.
Als das Haus fast fertig war, fehlten 15.000 Euro. Eine Nachfinanzierung lehnte die Bank jedoch ab. Rechnungen blieben unbezahlt, Handwerkerfirmen reichten Klage ein, das Haus wies erhebliche Mängel auf, wurde nicht fertig gestellt, und die Raten betrugen plötzlich 870 Euro. Die Eheleute wohnen inzwischen bei Verwandten und beklagen, dass sie „nicht nur finanziell , sondern auch moralisch ruiniert“ seien.

Der Bau-/Baufinanzierungsberater der Verbraucherzentrale Berlin, Peter Dirk, kennt zahl­reiche ähnliche Fälle. „Leider kommen viele erst, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“, bedauert Dirk. „Dann bleibt oft nur noch der direkte Weg von der Baufinan­zierungsberatung in die Schuldner- und Insolvenzberatung der Verbraucherzentrale. Interessenten lassen sich allzu gern täuschen und ignorieren die Risiken. Viele sind auch selbst gar nicht in der Lage, genaue Berechnungen anzustellen und verlassen sich daher auf die geschönten Finanzierungspläne der Vermittlungsgesellschaften. Die Folge ist nicht selten ein Lebensstandard auf Hartz-IV-Niveau.“

Unbedingt zu empfehlen ist daher eine unabhängige Baufinanzierungsberatung vor Vertragsabschluss. Die Verbraucherzentrale bietet ausführliche Bau-/Baufinanzierungsberatung zum Preis von 100 Euro nach vorheriger Anmeldung unter 21485-237 an. Telefonische Kurzberatungen: dienstags und donnerstags von 10-14 Uhr (1,86 Euro/Min. aus d. dt. Festnetz – in den Mobilfunknetzen können abweichende Tarife gelten).

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Berlin e.V., Hardenbergplatz 2 , 10623 Berlin
Sie finden es im Internet unter: http://www.vz-berlin.de/link487541A.html