ESL- Milch heißt das Mittelding zwischen Frisch- und H-Milch in Fachkreisen. Die Abkürzung steht für Extended Shelf Life, was übersetzt "längeres Leben im Kühlregal" bedeutet. Dem Normalsterblichen ist diese Milch eher unter Bezeichnungen wie "länger frisch", "maxifrisch" oder "extra langer Frischegenuss" bekannt.
In den letzten Jahren verzeichnete diese Milch enorme Zuwachsraten. Im Geschmack fast wie Frischmilch, ist sie im Gegensatz zu dieser ungeöffnet bis zu vier Wochen haltbar. Das macht sie interessant für alle Menschen, die wenig Milch verbrauchen, nicht so häufig einkaufen und sich bevorraten möchten. Nützlich ist sie aber vor allem für den Handel, der damit ein geringeres Risiko trägt, bei Nachfrageschwankungen auf seinen Beständen mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum sitzen zu bleiben. Deshalb drängt der Handel auch die Molkereien, ihre ESL Kapazitäten auszubauen. Die Frage ist, ob Verbraucher in Anbetracht dieser rasanten Entwicklung in absehbarer Zeit überhaupt noch eine Alternative beim Einkauf haben. Die Frischmilch scheint als Auslaufmodell gehandelt zu werden und das ist durchaus zu bedauern und nicht hinnehmbar.
"Wer regelmäßig Milch trinkt und mindestens einmal die Woche einkaufen geht, braucht die teurere und länger haltbare Milch eigentlich nicht", so Silvia Bilan von der Verbraucherzentrale Berlin.
Zwar halten sich die Vitaminverluste in der ESL- Milch in Grenzen, mit etwa 10% sind sie nur etwas höher als bei der Frischmilch, aber deutlich geringer als bei der H-Milch mit etwa 20 %. Aber auch im Haushalt schreitet der Vitaminabbau mit zunehmender Lagerdauer weiter voran.
Feine Geschmäcker erkennen auch durchaus einen geschmacklichen Unterschied und beklagen den leichten Kochgeschmack der ESL-Milch, der aber offensichtlich nur bei einem der zwei möglichen Verfahren auftritt.
Der einfachere Weg besteht aus einer Hocherhitzung auf bis zu 127 °C für wenige Sekunden, die nicht zu verwechseln ist mit der Ultrahocherhitzung der H-Milch auf mindestens 135°C. Der aufwändigere Weg besteht aus einer vorgeschalteten Mikrofiltration, bei der die entrahmte Milch durch allerfeinste Filter gegeben wird und dabei Keime entfernt werden. Bei diesem Verfahren reicht dann anschließend ein normales Pasteurisieren bei 72 - 75°C.
Die Verbraucherzentralen kritisieren, dass die genaue Art der Herstellung von ESL- Milch mit der gegenwärtigen Kennzeichnungspraxis für die Verbraucher nicht ersichtlich ist. Für Menschen, die den leichten Kochgeschmack nicht mögen, ist ein Hinweis auf das genaue Verfahren nötig.
Grundsätzlich sollte die Kennzeichnung der ESL- Milch nicht mehr allein der Kreativität der Werbestrategen überlassen werden. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale Berlin ist eine Kennzeichnung der ESL- Milch nach einheitlichen Vorgaben längst überfällig. Und Frischmilch sollte sich nur die pasteurisierte Milch nennen dürfen!
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