Mit Nährwertanreicherungen oder bunten Bildern beworbene "Kinderprodukte" sind zwar häufig teurer als andere, aber nicht gesünder – so das Fazit der Verbraucherzentrale Berlin nach einem Marktcheck. Stattdessen rät sie Eltern, auch für ihre Kinder möglichst solche naturbelassenen Lebensmittel zu kaufen, die schmecken und wenig Fett und zugesetzten Zucker enthalten.
Auf eine wahre Vielfalt angeblich "maßgeschneiderter" Produkte für Kinder traf die Verbraucherzentrale Brandenburg bei einem Marktcheck im Einzelhandel. Sie sah sich im Februar 2009 verschiedene Lebensmittel in Reformhäusern, Bioläden, Supermärkten und bei Discountern an. 107 kinderbezogene Angebote tummelten sich in den Regalen: Mehr als die Hälfte (56 Prozent) lockte mit einer Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen, die anderen waren eher geeignet, Kinderblicke mit bunten Bildern, Sammelbons, Rätseln oder Spielfiguren anzulocken. Eine solche Bewerbung würde in den Medien klar gegen die Selbstverpflichtung der Werbewirtschaft und der Lebensmittelproduzenten verstoßen.
"Für den Verzicht auf kinderbezogene Werbung auf den Produkten selbst gibt es leider noch keine Selbstverpflichtung der Anbieter", bedauert Christoph Römer von der Verbraucherzentrale Berlin. Unmissverständlich stellt er klar: "Kinder brauchen keine Extrawürste, spätestens ab dem Ende des ersten Lebensjahres ist für Kinder die normale Erwachsenenkost in altersgerechter Menge völlig in Ordnung!"
Bei Marktbegehungen in der Vergangenheit stimmten übrigens besonders überdosierte Nährstoffzugaben bedenklich. In diesem Punkt kann nach dem aktuellen Marktcheck in Brandenburg entwarnt werden: Rund 58 Prozent der mit Vitamin- und Mineralstoffzusatz beworbenen Produkte waren gerade so hoch angereichert, dass laut Gesetz die Werbung erlaubt ist. Unter den restlichen 42 Prozent gab es vereinzelt Vitaminbomben wie Fruchtbonbons, von denen schon ein einziges den Tagesbedarf eines fünfjährigen Kindes an B6 zu 60 Prozent deckt. Und das, obwohl Kinder nach einer im Auftrag der Bundesregierung erstellten Studie des Robert-Koch-Instituts nicht unter B6-Mangel leiden (www.kiggs.de). Ähnlich sieht es bei einigen Cornflakessorten aus. Gesünder werden die Produkte dadurch nicht - im Gegenteil: Zu viele zugesetzte Stoffe können problematisch sein. Deshalb sollte man sich mittels Zutatenliste und Nährwerttabelle vergewissern, was wirklich drin ist. Hier erfährt man auch, ob das Produkt sehr fett und süß ist, wie es eine Analyse der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen vom Januar 2009 vielen "Kinderlebensmitteln" bescheinigen musste.
Eltern gibt die Verbraucherzentrale Berlin die Faustregel zum Einkauf mit auf den Weg: "Wählen Sie auch für Ihre Kinder die Lebensmittel aus, die schmecken, wenig Fett und zugesetzten Zucker enthalten und möglichst naturbelassen sind!" Von Bildern, Zugaben und flotten Werbesprüchen sollte man sich dagegen nicht beeindrucken lassen – so kaufe man in der Regel auch günstiger ein.
Beispielvergleich für Gesundheits- und Preisbewusste:
Kinderlebensmittel - herkömmliche Produkte:
100 g "Kinderkeks" ca. 1,11 €
100 g Vollkornkeks ca. 0,22 €
Sie sparen:0,89 €
100 ml "Kidsgetränk" ca. 0,17 €
100 ml selbst gemixte Apfelschorle ca. 0,06 €
Sie sparen: 0,11 €
100 g Kinderjoghurt ca. 0,50 €
100 g selbst zubereiteter Joghurt ca. 0,13 €
Sie sparen: 0,37 €
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