Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentrale Berlin haben der Deutschen Bahn mangelnde Professionalität und fehlenden Kundenservice im Zusammenhang mit den erneut massiven Störungen im Berliner S-Bahn-Betrieb vorgeworfen. "Angebot und Service mangelhaft bis ungenügend" kommentieren sie die teils chaotischen Verhältnisse. Die Deutsche Bahn AG ist der Mutterkonzern der Berliner S-Bahn. Für den Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, ist die gegenwärtige Situation eine Bestätigung, dass der Börsengang der DB AG vermieden werden muss: "Bei einer reibungslosen und fortlaufenden Qualitätssicherung wären solche Engpässe nicht entstanden. Daher liegt die Vermutung nahe, dass an dieser entscheidenden Stelle zu Gunsten der Unternehmensgewinne gespart wurde."
Als nicht länger hinnehmbar bezeichnet Gabriele Francke, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin und Beiratsmitglied im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) die erneuten Zugausfälle: "Erst die Radsätze, nun die Bremszylinder. Da die vertraglich festgelegten Leistungen nun für einen noch längeren Zeitraum nicht erbracht werden können, müssen alle S-Bahn-Nutzer durch Preissenkungen oder Rückzahlungen spürbar entschädigt werden." Die bisher von der S-Bahn angebotenen Entschädigungen nur für Jahreskartenbesitzer seien angesichts des neuen Chaos ein Witz.
Bahnchef Rüdiger Grube hatte zu seinem Amtsantritt versprochen, den Konzern kundenfreundlicher zu machen und "den besten Service auf der Welt zu erbringen". Dies muss nach Ansicht von Gerd Billen nicht nur für künftige, sondern auch für laufende Verträge gelten: "Grube hat sich ein hohes Ziel gesetzt. Die Zuversicht der Berliner S-Bahn-Kunden in die Erreichung dieses Ziels wird derzeit wenig ausgeprägt sein." Der bestehende Vertrag mit der S-Bahn in Berlin - 2004 fortgeschrieben - ist bis 2017 gültig.
Die "Berliner Verhältnisse" dürften eine Warnung für alle Kommunen und Länder sein, die ihren Schienenpersonennahverkehr in Kürze direkt vergeben beziehungsweise bestehende Verträge fortschreiben. "Besser fährt, wer diese für die Bevölkerung so elementaren Dienstleistungen ausschreibt und in den Verträgen klare Qualitätskriterien, konkrete Leistungen sowie Schadensersatzregeln definiert", appellieren Billen und Francke. Qualitätssicherung und mögliche Entschädigungen bei verminderter Leistung müssten eindeutig festgelegt werden. Mit Blick auf die neue Bundesregierung fordern sie, die Pläne zur Privatisierung der Deutschen Bahn endgültig zu beerdigen und darüber hinaus die seit 29.07.2009 geltenden neuen Fahrgastrechte für den schienengebundenen Fernverkehr auch für den Öffentlichen Nahverkehr umzusetzen.
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

