Viel Ärger haben BVG und S-Bahn ihren Fahrgästen in den letzten Jahren beschert: Erst streikte die BVG im Frühjahr 2008, dann löste ein defektes S-Bahn-Rad ein Chaos aus, das seit bald einem Jahr die Stadt regiert. Die Berliner ertragen es mit großem Gleichmut. Nun dankt die BVG es ihnen: mit der Forderung nach einer saftigen Preiserhöhung ab 2011.
Des einen Leid, des anderen Freud: Sicherlich auch bedingt durch die Schwierigkeiten bei der Berliner S-Bahn – die durch ihren vollkommen überzogenen Sparkurs aufs falsche Gleis geriet und erst zum Jahresende ihren fahrplanmäßigen Betrieb wieder aufnehmen wird – konnte die BVG im letzten Jahr 93 Millionen Fahrgäste mehr als 2008 zählen. Gerade bei den Einzelfahrten fuhr das Unternehmen kräftige Umsatzzuwächse ein.
Trotzdem rechnet die BVG für das Jahr 2009 mit rund 65 Millionen Euro Verlust, und ihr Schuldenberg wird auf über 729 Millionen Euro anwachsen. Die Konsequenz für den Vorstandsvorsitzenden Andreas Sturmowski: Sein Vertrag läuft zum Oktober dieses Jahres aus. Die Folge für die Fahrgäste: Um dieses Defizit auszugleichen, will der landeseigene Betrieb nun die Preise der Einzelfahrscheine erhöhen.
Bei der Durchsetzung dieses Vorhabens legt BVG-Chef Andreas Sturmowski ein Tempo vor, das die Verkehrsbetriebe bei Bus, Bahn und Tram oft vermissen lassen: Wunschtermin für die Einführung der neuen Preise ist der 1. Januar 2011. Dann soll ein Einzelfahrschein 20 Cent mehr kosten; also 2,30 Euro.
"Es ist eine unglaubliche Frechheit, in dieser Situation im öffentlichen Nahverkehr eine Preiserhöhung überhaupt in Erwägung zu ziehen", empört sich Gabriele Francke, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin. Sie fordert vom Berliner Senat und vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, derzeit von jeglichen Überlegungen zu Preiserhöhungen Abstand zu nehmen.
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